Bewusstsein – Bewusst Sein

Auf dem Bild sind Wolken, ein Stück blauer Himmel und die Worte Bewusstsein und Bewusst Sein.


Bewusstsein- Bewusst Sein

Bewusstsein – Bewusster Sein

Im Bereich der Spiritualität ist häufig die Rede von Bewusstsein.

Aber was ist eigentlich Bewusstsein?


Es gibt unzählige Definitionen des Begriffs. Die Definitionen verändern sich mit dem Kontext, in dem der Ausdruck gebraucht wird.

Eine Definition von Bewusstsein, die ich gefunden habe, lautet: „Das Bewusstsein ist die Fähigkeit des Menschen zur Erkennung des eigenen Ichs.“

Das ist wohl auch das entscheidende Merkmal, welches uns von den Tieren unterscheidet. Die Fähigkeit zur Erkennung des eigenen Ichs. Klingt ja erstmal gut. Diese Definition wirft allerdings sofort weitere Fragen auf. Wie geht das denn mit dem „Sich selbst erkennen“? Erkenne ich mich wirklich? Erkennst du dich? Sicher? Was erkennst du von dir?

Die meisten von uns sehen sich täglich im Spiegel. Aber schauen wir uns überhaupt wirklich an? Schaust du dir in die Augen, wenn du dich im Spiegel betrachtest? Sprichst du mit dir? Wenn ja, was sagst du? Kritisierst du deinen Körper oder bedankst du dich dafür, dass er dich bis hierher getragen hat?

Wie weit ist es mit dem Erkennen des eigenen Ichs?

Was können wir tun, um unser Bewusstsein zu verfeinern? Und welchen Zweck hat das überhaupt?

Genau darum geht es in diesem Blogartikel.

Zunächst möchte ich dir eine weitere Definition, die ich bei Wikipedia gefunden habe, nicht vorenthalten:

„Bewusstsein ist im weitesten Sinne die Summe der mentalen Prozesse Empfindung (primärer Sinneseindruck), Wahrnehmung (Informationsgewinnung und innere „Abbildung“) sowie Erleben (emotionale und kognitive Reaktion). (Quelle)

Ich unterscheide jetzt einmal zwischen dem Bewusstsein des Einzelnen und dem kollektiven Bewusstsein.

Nach allem, was ich beobachte, prägt unsere Herkunft die Qualität unseres individuellen Bewusstseins maßgeblich mit. Das geht auch d´accord mit den Definitionsbegriffen Empfindung, Wahrnehmung und Erleben.

Kleines Beispiel: Ein Bekannter, der auf einer Insel aufgewachsen ist, beobachtete immer leicht amüsiert, wenn wir „Festländer“ Respekt vor einem mittelprächtigen Gewitter zum Ausdruck brachten und vielleicht Schutzmaßnahmen ergriffen. Er hatte auf der Insel die rohen Naturgewalten kennengelernt. Wenn sich auf der Insel ein Gewitter zusammenbraute, hatte es definitiv eine andere Qualität als unsere Gewitter hier. Demgemäß hatte er ein anderes Bewusstsein für die realen Gefahren eines Gewitters entwickelt als die meisten von uns.

Das Bewusstsein der Bewohner rauer Gegenden wie Alaska, Grönland, Island oder Sibirien ist eng mit Lebensweisheiten verknüpft, die ein Leben in diesen Zonen möglich machen. Das gleiche gilt für die Bewohner rund um den Äquator, Bewohner von Hochgebirgen oder anderen herausfordernden Regionen der Erde.

Das Bewusstsein des Einzelnen ist außerdem geprägt von kulturellen, gesellschaftlichen und familiären Einflüssen.

Nehme ich einmal das kollektive Bewusstsein ins Visier, fallen mir aktuell Begriffe wie Klimakrise, Frauenbewegung, Kindererziehung, Demokratiebewegung oder Religionen ein.

Bleiben wir mal bei den Religionen. Wie wirken sich die Religionen auf das Bewusstsein des Einzelnen und auf das kollektive Bewusstsein aus? Zentraler Baustein der meisten Religionen ist der Glaube. Ich glaube oder ich glaube nicht. Der Begriff „Glaube“ kam allerdings in der Definition von Bewusstsein bei Wikipedia nicht vor.

Mir persönlich hat die Anleitung, selbst in die Gott-Erfahrung zu finden, in der christlichen Kirche immer gefehlt. Etwas zu glauben gründet ja eher in den Gott-Erfahrungen anderer, vielleicht denen der PfarrerInnen, der BischöfInnen oder des Papstes. Haben diese Personen überhaupt echte Gotterfahrungen oder haben sie lediglich viel über Gott in der Bibel und anderer Literatur gelesen? Das ist nicht dasselbe! Nähren sich meine Erfahrungen vor allem aus den Erfahrungen anderer, so bleiben es immer Erfahrungen aus zweiter (oder sogar dritter, vierter…) Hand. Und die kann ich halt glauben oder nicht. Wie soll ich ein wahrhaftiges Bewusstsein für Gott, für meine eigene Spiritualität entwickeln, wenn alles, was ich angeboten bekomme, Sonntagspredigten und damit Auslegungen der Bibeltexte eines anderen Menschen sind? Dieser Umstand hat über Jahrhunderte einem Missbrauch im Begegnungsraum Kirche Tür und Tor geöffnet.

Nun wenden sich – zumindest hier bei uns – immer größere Teile der Bevölkerung von den klassischen Kirchen ab. Warum passiert das? Ich behaupte, das passiert, weil sich durch Aufklärung und zunehmender Sichtbarkeit des tatsächlich geschehenen Machtmissbrauchs das Bewusstsein für diese Zusammenhänge verändert. Menschen glauben den Würdenträgern in der Kirche nicht mehr ungefiltert, was sie predigen. Wir alle wollen unsere eigenen spirituellen Erfahrungen machen und sie ernst nehmen. Das war in der Generation unserer Eltern noch ganz anders. Für mich ist dieser Umstand ein Hinweis darauf, dass sich das kollektive Bewusstsein gleichsam mit dem Bewusstsein des Einzelnen in Bezug auf die Religionen verändert.

Es scheint, als ob da eine Wechselwirkung geschieht.

Was bedeutet das für mich? Für dich? Für jedes Individuum?

Das bedeutet, dass ich selbst vom kollektiven Bewusstsein beeinflusst bin UND gleichzeitig das kollektive Bewusstsein mitgestalte.

Nun kann ich mir die Frage stellen, ob ich die Erfahrungen und das Erleben anderer zu meinen Lebens-Maßstäben mache oder ob ich lieber meine eigenen Erfahrungen zugrunde lege? Die Antwort auf diese Frage hat nicht nur für mich selbst und meine eigene Lebenssituation Auswirkungen. Von diesem feinen Unterschied hängt maßgeblich ab, was ich selbst in das kollektive Bewusstsein einspeise.

Die dem Bewusstsein zugrundeliegenden Organe im Körper sind das Gehirn und alle weiteren Teile des Nervensystems. Womit fülle ich also täglich mein Gehirn? Welches Futter bekommt es? Und – ganz wichtig – wie reinige ich es von unnützem Ballast und von eingelagertem Schmutz? Wenn ich Wert darauf lege, mit einem feinen und breit aufgestellten Bewusstsein in der Welt zu stehen, ist es wichtig, dieses immer wieder zu klären. Mich immer wieder zu klären. Das geht zum einen sehr gut mit regelmäßigen Meditationen. Aber auch regelmäßiger Detox, eine gute Schlafhygiene und eine bewusste Ernährung halte ich für unerlässlich.

Warum?

Entscheide ich mich für eine gemüsereiche, vorwiegend pflanzenbasierte Ernährung, so kann ich davon ausgehen, dass die Verweildauer der Nahrung im Körper kürzer ist als wenn ich regelmäßig Fleisch esse. Das ist uns zuträglich weil ein etwas schnellerer Durchlauf dafür sorgt, dass weniger Schlacken eingelagert werden. Der Körper ist weniger belastet. Dabei sollten wir bedenken, dass das, was wir täglich essen, keineswegs nur den Magen-Darm Trakt und die gröberen Strukturen wie Körperflüssigkeiten, Skelett oder unsere Organe beeinflusst. Über immer feinere Kanäle (im Ayurveda spricht man u.a. von den Srotas) reicht das, was wir essen in unser Bewusstsein hinein und lässt es entweder feiner werden oder es wird durch Schlacken getrübt.

Generell ist unser Körper ein starkes Tool, um unsere Bewusstheit zu prüfen. Wie fließt der Atem? Fühlt sich der Körper eher leicht oder schwer an? Spüre ich die einzelnen Körperteile, wenn ich einmal bewusst durch den Körper scanne? Gibt es Störfelder, die meine Aufmerksamkeit immer wieder binden? Gibt es Bereiche, die nach Hilfe rufen? Wenn es mir gelingt, tief in die Körperverbindung zu gehen, wie fühlt sich das dann an?

Sind Körper und Bewusstsein im Einklang miteinander, so erleben wir eine Art Seelenheil. Selbst dann, wenn nicht alles störungsfrei ist, legt sich ein Gefühl von Glückseligkeit auf uns, sobald wir in eine tiefe Verbindung mit unserem Körper finden.

Laut früherer Studien sind sich die meisten von uns nur zu etwa 5% ihres Handelns bewusst. Die restlichen 95% erledigt das Unterbewusstsein. Wir handeln also zum größten Teil intuitiv oder triebgesteuert.

Aber muss es dabei bleiben?

Die Erforschung des Bewusstseins bedeutet gleichzeitig auch die Erforschung des Unterbewusstseins und des Unbewussten. Diese Forschungen stecken noch in einer frühen Phase und gerade vollzieht sich ein Wandel von philosophischen Debatten hin zu wissenschaftlichen Erkenntnissen bezüglich unseres Bewusstseins. Da sind auf dem Weg zu neuen Erkenntnissen – wie bei allen Forschungsfeldern – Irrtümer nicht ausgeschlossen.

Wir sollten nicht warten, bis die Forschung neue Definitionen des Begriffes Bewusstsein benannt hat, denn Erkenntnisse über Veränderungen (vor allem Verfeinerung oder Erweiterung) des eigenen Bewusstseins kann jede von uns erlangen. Der wichtigste Zugang zum großen Feld des Bewusstseins ist und bleibt die volle Präsenz. Ganz im gegenwärtigen Moment anzukommen, eröffnet uns eine Weitsicht, die unbeschreiblich ist. Es ist das Erleben, welches sich weitet, welches Grenzen abwirft und uns Einblick in Wahrheiten gibt, die wir niemals kennenlernen würden, wenn wir ein Leben lang in den vorhin benannten 5% verharren würden.

Ich erlebe das manchmal in (aber zunehmend auch außerhalb) meinen Meditationen.

Darum rufe ich immer wieder dazu auf, Stillezeiten in den Tagesablauf zu integrieren. Ohne regelmäßige Stille-Erfahrungen wird es nicht gehen.

Je mehr es uns gelingt, unser Bewusstsein zu erweitern, umso bewusster werden die Entscheidungen, die wir täglich treffen. Und wenn es uns gelingt, bewusstere Entscheidungen zu treffen, dann sind wir endlich in der Lage, die Verantwortung für unsere Lebenssituation zu übernehmen. Wir entwickeln uns immer mehr aus der Rolle des Opfers heraus in die Rolle der GestalterInnen des eigenen Lebens hinein. Wir erkennen uns selbst immer besser und sind nicht mehr so leicht zu täuschen oder zu manipulieren. Und das ist es meiner Ansicht nach wert.

Es interessiert mich sehr, wie du mit dem Thema Bewusstsein unterwegs bist. Schreibe dazu gerne etwas in die Kommentare…

In diesem Sinne …

Alles Liebe …

Deine Daniela

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