
Das einfache Leben – Eine Würdigung der einfachen Tage
Das einfache Leben – Ein Hoch auf die einfachen Tage
Ich weiß genau, dass ich ihn mir irgendwann herbeisehnen werde. So ist es immer. Genau dann, wenn er für mich nicht erreichbar scheint.
Der ganz einfache Tag…
Einen Tag, an dem nichts Besonderes passiert. An dem ich mir einen Moment länger Zeit für meine Morgenroutine erlaube. An dem das Mittagessen aus einem deftigen Linseneintopf und selbstgebackenem Brot besteht. Und ein paar Datteln hinterher. Es ist der Tag, an dem ich dem neuen Blogartikel ein paar entscheidende Sätze hinzufüge. Der lange Spaziergang am Nachmittag. Wetter (fast) egal. Getreidekaffee mit selbstgebackenen Keksen. Vielleicht ein Kind zu Besuch? Am Abend gerne mit meinem Mann Thomas singen oder ein Spiel spielen. Im Bett noch ein bisschen im Lieblingsbuch lesen. Dabei eng aneinander gelehnt und anschließend mit einer Gefühlsmischung aus Wehmut und Frieden einschlafen. Klingt perfekt!
Kein Arzttermin und keine Beerdigung, kein Wocheneinkauf. Kein stundenlanger Motorsägen- oder Laubbläser-Marathon in den Gärten um uns herum, der mir den letzten Nerv raubt.
Manchmal, wenn mich vielleicht ein fiebriger Infekt ans Bett fesselt oder wenn eine Aufgabe bevorsteht, die mich in Unruhe versetzt, wenn wir an Weihnachten möglicherweise zu viel Besuch eingeplant haben… dann kommt es vor, dass in mir ein Sehnen nach einem der ganz einfachen Tage spürbar wird. Kennst du das?
Das einfache Leben – Trost und Anker
Wenn einmal nichts gelingen will, wenn die Stimmung zwischen Thomas und mir bedenklich zündelt, wenn am selben Tag mehrere Rechnungen ins Haus flattern, mit denen ich nicht gerechnet habe. Wenn irgendein Stress körperlich wird. Oder ein Blick in die News. Arghhh…. Da möchte ich hier gerade nicht näher drauf eingehen. Dann sind die einfachen Tage Trost und Anker für mich. Gut, dass es viele davon gibt. Sie bringen die nötige innere Stabilität, um der Verrücktheit im Außen überhaupt begegnen zu können, ohne sich darin zu verfangen. An solchen Tagen wird selbst das Wäsche waschen zu einer heiligen Handlung.
Die einfachen Tage bilden das Fundament des Lebens. Mir sind sie unendlich kostbar. Die All-Tage.
Wie stabil ist mein Fundament? Und deins? Wie viel trägt es? Wie viel Sturm und Wellenschlag verkraftet es?
Die Unterbrechung der Routinen
Wenn ich ein paar Tage Urlaub mache, erkenne ich bereits nach kurzer Zeit, dass es durchaus sehr schön ist, mal in anderer Umgebung spazieren zu gehen, dass es toll ist, die Füße ins Meer zu tauchen oder das Watt zwischen den Zehen zu spüren. Länger als eine Woche mag ich aber nicht gerne von Zuhause und vor allem von meinem genussreichen und wohltuenden Alltag weg sein.
Erst die (durchaus auch willkommenen) Unterbrechungen meiner Routinen zeigen mir, wie sehr ich mein Zuhause und die Einfachheit meines Lebens liebe.
So habe ich es mir gewünscht und in der Ruhe der einfachen Tage geht es mir gut. Da treiben meine Lebensfreude und Kreativität Blüten. Sie bekomen den Raum, den sie brauchen, damit der Flow für mich spürbar und Ergebnisse sichtbar werden.
Entscheidungen, die ich vor Jahren wie junge Pflänzchen in fruchtbare Erde gesetzt habe, tragen heute Früchte. Sie sind der Ursprung meiner heutigen Lebenssituation. Und auf diese Weise geht es weiter. An jedem einfachen Tag treffe ich unzählige Entscheidungen, deren Auswirkungen sich zu ihrer Zeit auf unterschiedlichste Weise bemerkbar machen werden.
Das einfache Leben – Fühlt es sich noch richtig an?
Es lohnt sich, von Zeit zu Zeit einmal nachzuspüren, ob sich die einfachen Tage noch gut und richtig anfühlen. Tut mir mein Alltag immer noch gut? Nährt er die konstruktiven Anteile in mir? Wir alle unterliegen Veränderungen und so ist es nur natürlich, dass auch tägliche Abläufe einmal verändert und angepasst werden sollten. Sonst wird aus einer heilsamen Tagesroutine unter Umständen eine krankmachende Gewohnheit. Ich spüre mittlerweile sehr sicher, wann es Zeit für eine kleine oder größere Veränderung wird.
Manches verändert sich auch automatisch im Jahresrhythmus. Gartenarbeiten zum Beispiel. Wer gerne im Garten werkelt, weiß, dass wir dort nichts erzwingen können. Hier können wir Geduld üben. Jedes Ding und jede Arbeit hat im Garten ihre Zeit. Eine gute und gesundheitsfördernde Lebensart, welche wir aus der Natur übernehmen dürfen.
Glücklich ist, wer getrost abwarten kann
Scheinbar endlose Sommertage münden irgendwann in wolkenverhangene Himmel, aus denen es vielleicht tagelang Bindfäden regnet oder in der dunkelsten Jahresepoche Schneeflocken tanzen. Wer getrost abwarten kann, ist glücklich dran. Der nächste Frühling kommt sicher.
Mit seinen einfachen Tagen. Wie schön, heute ist der Tag, Radieschen und Erbsen einzusäen.
Klingt langweilig?
Ja, vielleicht ist es das manchmal. Na und? Als wäre Langeweile automatisch etwas Schlechtes. Ganz sicher ist es das nicht. Langeweile ist zu Unrecht in Verruf geraten. Sie ist der Nährboden für unsere freie und unerschöpfliche Kreativität.
Das einfache Leben – mehr friedlich als langweilig
Meistens bedeutet mir mein einfacher Alltag definitiv weniger Langeweile als Frieden. Möglicherweise liegt es daran, dass ich mich heute sehr bewusst selbst erlebe, sehr bewusst dem Leben zuwende. Und das Leben ist immer irgendwie. Es ist immer da, ob ich meine Zeit mit langen To-do-Listen fülle oder nicht. Ich bin über die Lebensphase hinausgewachsen, in der möglichst viele To do´s in meinem Kalender die Tage und meinen Wert als Menschen bestimmten. Gott sei Dank! Heute lautet das Zauberwort „Balance“. Ein Schritt nach dem anderen.
Verpasse ich bei dieser Art zu Leben etwas? Ich glaube nicht. Es geht mir vielmehr um das Leben selbst und nicht um irgendeinen Zeitvertreib.
Und dann schaue ich ins Handy…
Öffne ich allerdings Facebook oder Instagram, so erscheint es mir, als wäre ich die einzige Person, die ein sehr einfaches Leben führt. Außer Thomas vielleicht. Schaue ich auf die Beiträge vieler anderer, so kommt der Verdacht auf, dass sie ein deutlich aufregenderes Leben führen als ich es tue. Ist das alles Fake? Möglicherweise tun sie das wirklich. Dauernd ist was los, irgendein Event steht immer an. Da könnte man in die Versuchung kommen, zu denken, dass der eigene Lebensentwurf irgendwie falsch wäre. Obwohl es sich eigentlich schön anfühlt, flüstern mir die Urlaubs-Bilder der Freundin von den Malediven oder die vielen Reels des Kollegen aus diversen Freizeitparks ins Ohr, dass ich noch ein Schüppchen drauf legen muss, um mithalten und vor allem, um wirklich glücklich sein zu können. Hmm…
An dem Punkt mache ich das Handy aus. Freizeitpark? Hatte ich einige Male als die Kinder noch kleiner waren, brauche ich definitiv nicht nochmal. Malediven? Zugegeben phantastische Bilder. Man erkennt deutlich, dass es toll gewesen sein muss. Einige Jahre hat die Freundin viel gearbeitet und drauf gespart. 12 Tage Traumurlaub all inclusive. Und jetzt? Steckt sie wieder im Job. Arbeitet viel. Ob sie noch vom Malediven-Urlaub zehrt? Ich weiß es nicht. Vielleicht verbringt sie viel Zeit in träumender Erinnerung an das große Event? Ob ihr der Alltag, den sie lebt, wirklich Freude macht, ist für mich nicht sicher zu erkennen.
Und so bleibe ich…
…in meinem überschaubaren Leben, welches ich mir für mich auf gute Weise passend einrichten konnte. Das Leben, das mich (an den meisten Tagen, besonders den einfachen ;)) glücklich und gesegnet fühlen lässt. Ich hüte es, wie einen Schatz…. Und das ist es auch…
In diesem Sinne …
Alles Liebe …
Deine Daniela
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Danke liebe Daniela für den gelungenen Beitrag! Du bist nicht alleine mit dem einfachen Leben, auch mir geht es so und manchmal frage ich mich, ob ich allein bin damit. Und dann, freue ich mich einfach, dass es so ist und welch Geschenk es ist, dass es so sein darf und ich so leben darf. In diesem Sinne einen schönen Adventsonntag! Herzliche Grüße Manuela
Liebe Manuela, danke für deine freundliche Rückmeldung. Es tut gut zu wissen, dass ich nicht alleine damit bin. Auch ich betrachte es als Geschenk und als große Freiheit, auf diese Weise leben zu können. Dir auch eine schöne weitere Adventszeit…