
Erfahrungen sammeln – ein Leben lang
Erfahrungen sammeln – Es geht um nichts anderes, als immer wieder das Leben zu erfahren.
Wir werden geboren. Wir landen in einer Sippe, in der wir die ersten Erfahrungen unseres Lebens sammeln dürfen. Da sind Eltern, die gerade auch neue Erfahrungen sammeln. Nämlich die, ein neues Baby zu haben. Manchmal können Eltern sich nicht selbst um ihr Kind kümmern. Dafür gibt es Gründe. Die betroffenen Kinder sammeln andere Erfahrungen als diejenigen, die die ersten Jahre ihres Lebens mit den leiblichen Eltern verbringen. Manche Kinder müssen unmittelbar nach der Geburt medizinisch versorgt werden. Wieder andere Erfahrungen. Besonders diese ersten Erfahrungen machen etwas mit uns.
Es wäre also zynisch, zu behaupten, dass Menschen, die in der gleichen Region leben, somit auch gleiche Startbedingungen hätten. Jeder einzelne Weg des Menschen ist von Beginn an individuell. Aber eins haben wir alle gemeinsam:
Wir sammeln Erfahrungen.
Von der Geburt bis zu unserem Tod geschieht nichts anderes als eine Aneinanderreihung von Erfahrungen. Diese Erfahrungen, besonders die frühen, bilden neuronale Netzwerke in unserem Gehirn. Wir lernen! Wir lernen vor allem dauernd etwas Neues.
Speichern unsere Faszien Körpererinnerungen?
Aber nicht nur im Gehirn speichern sich die Erfahrungen ab, die wir machen. Im ganzen Körper befindet sich Fasziengewebe. Neueste Forschungen beschreiben, dass unser Faszienapparat ein weiteres Sinnensorgan ist, welches bisher in seinen Funktionen massiv unterschätzt wurde. Es ist anzunehmen, dass auch in den Faszien Körpererinnerungen überdauern, die unsere Gesundheit, unseren Blick auf die Welt und unser Handeln beeinflussen. Wer darüber mehr wissen möchte, schaue hier.
Sowohl die Yogis als auch die AlternativmedizinerInnen und TherapeutInnen unter uns wissen, dass jeder ganzheitliche Heilungsweg nur unter Einbeziehung des Körpers erfolgreich sein kann. Tief im Körper finden wir Antworten auf die meisten Lebensfragen und und wir finden uneingeschränkte Unterstützung auf unseren Heilungswegen.
Sag deinem Körper doch bei dieser Gelegenheit einmal aus vollem Herzen „Danke“. Das tue ich auch zwischendurch. Warum? Weil unser Körper bedingungslos vierundzwanzig Stunden am Tag für uns arbeitet.
Erfahrungen sammeln – Das Leben als Erfahrungsparcours
In diesem Artikel soll es aber zunächst darum gehen, dass das Leben eine Art Erfahrungsparcours ist. Es ist vom ersten bis zum letzten Tag eine Aneinanderreihung von Erfahrungen. Schöne und schwere Erfahrungen reihen sich wie Perlen an einer Schnur aneinander und – besonders die schweren – lassen uns reifen.
Natürlich habe ich teilweise Einfluss auf die Art der Erfahrungen, die ich mache. Ich entscheide, ob ich mit dem Auto einen Urlaub an der Nordsee mache oder mit dem Flugzeug auf die Malediven fliege. Und ich entscheide, welche Art Nahrungsmittel ich meinem Körper für seine vielfältigen Funktionen zur Verfügung stelle. Ich entscheide an der Straßenkreuzung, ob ich links oder rechts abbiege. Und wenn ich mich weigere, etwas zu tun, treffe ich die Entscheidung, nichts zu tun und mache die Erfahrung, dass ich nichts mache oder dass es irgendwie nicht weiter geht.
Wir alle wissen allerdings, dass wir unsere Zukunft mit ihren vielfältigen Erfahrungmöglichkeiten nicht wirklich in der Hand haben. Jede von uns macht auf ihrem Lebensweg an irgendeiner Stelle Erfahrungen, mit denen sie nicht gerechnet hat. Ich spreche von Ereignissen, die uns von höherer Stelle in den Weg gelegt werden. Größere Episoden, an denen wir entweder zerbrechen oder über uns hinaus wachsen können.
Eine schwere Krankheit – ist eine Erfahrung
Eine schwere Krankheit, zum Beispiel, ist – genau betrachtet – zunächst einmal eine Erfahrung. Wir machen unter diesen Umständen meist eine Vielzahl an Erfahrungen. Ist der Körper krank, so ist das erst einmal eine (möglicherweise schmerzhafte) Körpererfahrung. Die Erfahrung des Krankseins kann zudem von Angst, Hilflosigkeit oder Wut begleitet sein. Es spielen aber durchaus auch Zustände der Hoffnung oder der Hingabe an das Höhere mit hinein. Eine starke Kraft in Krankheitsphasen ist das Vertrauen!
Da stellen sich viele Fragen: Welchen der vielen unterschiedlichen Emotionen schenken wir die meiste Aufmerksamkeit? Wie unterstützen wir uns selbst? Welche Behandlungsmethoden wählen wir? Wie erleben wir die Kontakte zu unseren Mitmenschen in Phasen schwerer Krankheit? Was ist mit deren Ängsten?
Uns überschwemmt in einem solchen Fall eine oft unübersichtlich große Summe von Erfahrungen in sehr kurzer Zeit. Da drängeln sich Gefühle und Gedanken in uns und unter Umständen brauchen wir professionelle Hilfe, um sie angemessen zu bewältigen.
Erfahrungen sind eng verknüpft mit unserer Gefühlslandschaft. Und weil das so ist, bleiben Erfahrungen, die uns emotional berühren, sehr viel deutlicher im Gedächtnis haften als etwas, worüber wir lediglich gelesen haben. Wir lernen mehr aus Erfahrungen als aus Büchern. Das ist so, weil eine Erfahrung sich nicht nur im kognitiven Gedächtnis, sondern auch im Körpergedächtnis ansiedelt.
Erfahrungen und Körpergedächtnis – Das habe ich schon einmal erlebt!
Machen wir Erfahrungen, die wir in ähnlicher Form schon einmal gemacht haben, kann das Körpergedächtnis entsprechend aktiv werden. Menschen mit Traumahintergrund wissen das. Flashbacks, Re-Traumatisierungen oder Panikattacken machen uns in diesem Fall das Leben schwer und nicht immer können wir ihnen die ursächlichen Erfahrungen zuordnen.
Aber auch kognitive Erinnerungen oder einfach nur der Gedanke „Das habe ich schon einmal erlebt“, können durch spätere ähnliche Erfahrungen ausgelöst werden.
Diejenigen von uns, die Kinder haben, wissen, wie schwer es fällt, den Kindern ihre eigenen Erfahrungen zuzugestehen. Wir greifen gerne ein, wenns schwierig wird, anstatt erst einmal abzuwarten, ob das Kind selbst zu einer Lösung für das bestehende Problem findet. Gerade vor unangenehmen Erfahrungen möchten wir die Kinder beschützen. Dieses Phänomen ist weit verbreitet und Eltern, die mit dem Loslassen ihrer Zöglinge besonders große Mühe haben, werden auch als Helikopter-Eltern bezeichnet.
Um einen angemessenen Umgang mit schönen und schweren Erfahrungen zu lernen, ist es allerdings nötig, dass Kinder auf ihrem persönlichen Erfahrungsweg würdigend und vor allem wertschätzend begleitet werden. Sie brauchen Ermutigung, wenn ihnen etwas daneben geht und – egal wie es ausgeht – wohlwollende Spiegelung.
„Siehste, hab ich doch gleich gesagt“ oder „War doch klar, dass das nicht geht“ hilft niemandem weiter, sondern raubt den Kindern auf Dauer die Lust am Ausprobieren und damit einhergehend auch die Lebensfreude.
Erfahrungen sammeln – Selbsterfahrungen
Ein großer Bereich, der seit vielen Jahren aus therapeutischen Kontexten nicht mehr wegzudenken ist, ist die Selbst-Erfahrung. Wer bin ich eigentlich und wie ticke ich? Da tauchen auch mal überraschende Erkenntnisse auf. Wie…. Was? Ich wusste ja gar nicht dass ich anderen so häufig das Wort abschneide. Bin ich wirklich neidisch auf den Wohlstand der besten Freundin? Ich dachte immer, es würde mir nichts ausmachen, dass sie einen nagelneuen SUV fährt. Und so weiter…
Selbsterfahrung – sofern sie würdigend und aufrichtig angeleitet wird – führt im besten Fall zu einem größeren Selbst-Erkennen. Das fühlt sich allerdings zunächst nicht immer schön an. Wir möchten ja alle gerne so ein bisschen heilig sein. Und plötzlich stellen wir fest, dass wir auch nicht besser sind als die anderen. Unterm Strich ist das eine sehr wertvolle Erfahrung!
Nun möchte ich noch auf eine Art Gegenspieler der Erfahrung zu sprechen kommen. Nämlich dem Vorurteil. Dem Vorurteil fehlt eindeutig die Erfahrung. Woraus bilden wir unsere Meinung beispielsweise über bestimmte Personengruppen? Aus dem, was uns andere über sie erzählen? Oder aus den sozialen Medien? Aus den Nachrichten? Möchte mir Da jemand vorschreiben, wer mein Feind oder mein Freund zu sein hat? Ganz sicher ist es sehr erstrebenswert, wenn sich unsere Urteilsfähigkeit zum größeren Teil aus selbst gemachten Erfahrungen bildet.
Erfahrungen und Resonanz oder „Wie man in den Wald hinein ruft…“
Zum Schluss komme ich noch kurz auf das Resonanzprinzip zu sprechen. Resonanzen sind von Beginn an ein erheblicher und unersetzbarer Teil unserer Wahrnehmung. Da gibt es einen Satz, den schon unsere Eltern gerne gebrauchten: „Wie man in den Wald hinein ruft, so schallt es heraus.“ In diesem Satz steckt eine größere Realität als wir gemeinhin vermuten. Wie schaust du auf die Welt? Wie (und was) rufst du in den Wald hinein? Mit was resonierst du? Und welche Erfahrungen resultieren daraus? Gerade die zwischenmenschlichen Erfahrungen hängen sehr stark von der Art und Weise ab, wie du dich im Kontakt zu anderen Menschen verhältst und vor allem, was du ausstrahlst. Es macht also durchaus Sinn, sich selbst durch die Spiegelungen anderer Menschen besser kennenzulernen.
Reflektiere einmal diesen Tag bis hierhin. Welcher Art waren deine Erfahrungen bisher? Ich wünsche dir vor allem schöne Erfahrungen und dass du am Ende des Tages sagen kannst, dass du an diesem Tag durch ein paar wertvolle Erfahrungen etwas dazugelernt hast.
In diesem Sinne …
Alles Liebe …
Deine Daniela