Es reicht! – Gedanken und Gefühle drängeln sich in uns

Auf dem Bild befindet sich im Hintergrund eine Frau mit Brille. Um sie herum sind Denk- und Sprechblasen. Außerdem gibt es folgende Texte: Es reicht! und Gedanken und Gefühle drängeln sich in uns.


Es reicht! – Gedanken und Gefühle drängeln sich in uns

Es reicht! – Wenn unsere Innenwelten uns überfordern.

Du kennst das.

Die Gedanken rattern im Eiltempo. Es sind zu viele Gedanken in zu kurzer Zeit, die auf dich einstürmen. Im Schädel brummt es. Manchmal sind es auch Gefühle, die irgendwie unkoordiniert kommen und gehen. Gerade hast du dich darüber gefreut, dass der Sohn ein gutes Abitur hingelegt hat, jetzt bist du zu Tode betrübt und kannst nicht einmal sagen, warum. Und dass die blöde Mücke im Schlafzimmer dich nicht hat schlafen lassen, macht dich jetzt noch wütend. Und müde. Du kommst mit dem Fühlen und Denken gar nicht hinterher.

Es reicht!

Wenn sich so viele Gedanken und Gefühle in allzu kurzer Zeit in uns drängeln, dann löst das Stress aus.

Ich kenne das sehr gut.

Das alles fühlt sich an wie eine große intrinsische Reizüberflutung. In dem Fall sind es nicht Eindrücke, die in diesem Moment von außen auf uns einstürmen. Dann gibt es (scheinbar) keinen plausiblen äußeren Grund für den Gedanken- und Gefühlsdurchfall in uns. Er ist einfach da. Punkt!

Aber was hilft, wenn die Wechsel zu schnell kommen? Was kann ich tun, wenn sich der endlose innere Strom einfach nicht kontrollieren lässt? Wie stoppe ich das Gedanken- und Gefühlschaos? Kann ich überhaupt etwas dagegen tun?

Hier einmal ein klares Jein!

In den Widerstand zu gehen, ist keine adäquate Lösung. Im Gegenteil. Das befeuert die innere Flut meines Erachtens noch mehr.

Stellen wir uns zunächst einmal die Frage, wie es kommt, dass ein Gedanke pausenlos den nächsten jagt?

Um diese nahtlose Aneinanderreihung von Gedanken und Gefühlen einmal zu unterbrechen, ist es wichtig, es zunächst einmal zu merken. Das klingt einfach, ist aber nicht selbstverständlich. Manchmal fühlen wir uns gestresst und merken nicht, woher der Stress kommt. Dass es unsere innere Unruhe ist, die sich selbst immer höher schraubt, merken wir oft erst, wenn sich das schon eine gamze Weile dranhält. Um einen Zustand der Handlungsfähigkeit zu erlangen, müssen wir einmal genauer hinspüren. Aber wie geht das? Ich mache das folgendermaßen:

Der innere Aufruhr wird oft schon in dem Moment moderater, wenn ich den berühmten „Schritt zurück“ mache. Das bedeutet: Ich entschleunige unmittelbar. Sofort! Das kann ich auf verschiedene Weise tun. Zunächst beobachte ich, mit was ich geade beschäftigt bin. Ich unterbreche einmal das, was ich gerade tue. Direkt in dieser Situation fange ich an, meinen Atem zu beobachten. Ein. Aus. Ein. Aus. Ich muss nichts ändern, lediglich beobachten. Ein. Aus.

Bereits nach wenigen Atemzügen komme ich mehr ins Spüren. Ich spüre (zunächst) die Unerträglichkeit der inneren Endlos-Schleifen. Das fühlt sich nicht schön an. Irgendwann höre ich auf, das ewige Geschnatter zu bewerten. Ich halte das jetzt einfach mal aus ohne davonzulaufen oder mich erneut abzulenken. Es saust und braust und dann, mitten in der Beobachtung, geht ihm schon ein bisschen die Puste aus.

Das alles dauert nicht lange. Zwei, vielleicht drei Minuten? Aber wie geht es jetzt weiter? Schließlich möchte ich nicht für den Rest des Tages still bleiben und mir von den inneren Dialogen die Laune verderben lassen.

Wenn die Situation und die Zeit es erlauben, bleibe ich noch ein bisschen in der Beobachterstellung. Ich spüre in den Körper und versuche, mich zu erden. Das geht sehr gut, wenn ich mich hinsetze und bewusst Kontakt zur Sitzfläche aufnehme. Ist eine Rückenlehne da, dann spüre ich auch dorthin. Manchmal fühle ich deutlich, wie der Stress aus mir heraus in das jeweilige Möbel zieht. So erscheint es zumindest. Im Liegen geht das auch sehr gut. Im Stehen bleibt nur die Fläche der Fußsohlen auf dem Boden. Oder ich greife etwas, was gut in der Hand liegt. Das geht auch, braucht aber etwas mehr Geduld. Es ist auf jeden Fall hilfreich, den Kontakt zum Körper noch zu halten.

Sobald sich alles etwas beruhigt hat, geht es weiter. Womit war ich beschäftigt, als es losging? Gibt es an der Stelle noch etwas zu tun? Muss ich irgendwas zuende bringen? Oder reicht die Zeit für einen Tee oder Kaffee?  Für einen Gang durch den Garten?

Auf jeden Fall mache ich das, was ich als Nächstes tue, etwas langsamer als vorher. Vor allem aber etwas bewusster.

Bewusste, langsame Bewegungen kann ich besser ansteuern als das fahrige Agieren von vorhin. Ich übernehme wieder das Steuer. Es war mir in der inneren Hektik abhandengekommen.

Eine sehr gute Prophylaxe ist es, einfach so, ohne größeren Stress einige Male täglich innezuhalten und bewusst zu atmen. Machen wir das zu einem täglichen Ritual, kann uns das auch vor dem Overload schützen.

Ein wichtiger Aspekt, den viele Menschen immer noch nicht auf dem Schirm haben, sind regelmäßige Pausen. Der Pause wird nach wie vor ein unattraktiver Beigeschmack angedichtet. Müßiggang, Faulheit, Arbeitsscheu oder Bequemlichkeit sind Attribute, die die Pause in Verruf bringen. Das ist nicht nur ungerechtfertigt, sondern grober Unfug. Möchten wir mental gesund bleiben oder es wieder werden, so wird es nötig sein, Pausen und bewusste Übergänge zwischen zwei Tätigkeiten zu etablieren. Weil ich Pausen im Tagesablauf für sehr wichtig halte, habe ich der Pause einen eigenen Blogartikel gewidmet. Den Artikel findest du hier.

Als stärkstes Entschleunigungstool erlebe ich meine regelmäßigen Meditationen. Die Meditation kann so viel. Viel, viel mehr als nur entschleunigen. Mittlerweile gibt es Studien, die belegen, wie wirkungsvoll das Meditieren ist. Allerdings halte ich es für wichtig, dass das Meditieren nicht als zusätzlicher Punkt auf der To-Do-Liste landet, sondern den dafür vorgesehenen Raum im Alltag bekommt. Auch über das Thema „Meditation“ gibt es einen eigenen Blogartikel. Den Artikel findest du hier.

Wenn wir es zulassen, dass Bilder, News oder Events permanent auf uns einprasseln, müssen wir uns nicht wundern, wenn unsere Gedanken ohne Ende rattern. Besonders dann, wenn wir endlich zur Ruhe kommen möchten, etwa abends im Bett oder in der Mittagspause, drehen sie gerne noch mal auf. Stelle dir einmal vor, dass jedes Bild, welches wir anschauen, in uns seinen Platz finden möchte. Die ausgetauschten Gedanken mit der Freundin möchten vielleicht noch ein bisschen weitergedacht und entwickelt werden. Das Konzert von gestern Abend klingt noch eine Weile nach. Geben wir ihm doch die Zeit.

Ich weiß sehr genau, wovon ich hier schriebe. Nachdem ich im Jahr 2006 den Film „Brokeback Mountain“ im Kino angesehen habe, konnte ich ein halbes Jahr lang keinen weiteren Film anschauen. Ich war selbst überrascht, mit welcher Kraft dieser Film in mir nachwirkte. In dieser Intensität habe ich das seitdem nie wieder erlebt. Allerdings schaue ich schon lange kaum noch Filme. Der letzte Film, den ich, gemeinsam mit meinem Mann angeschaut habe, war der Film „A man called Otto“ mit Tom Hanks in der Hauptrolle. Das ist etwa zwei Jahre her. Der Film ist eine amerikanische Verfilmung des Buchs „Ein Mann namens Ove“ von Fredrick Backman. Ein unglaublich bewegender Film, sehr zu empfehlen.

Insgesamt macht es Sinn, darauf zu achten, dass wir das, was wir konsumieren, machen oder erleben, nacheinander tun. Hier spielt der Faktor Zeit die entscheidende Rolle. Agieren wir bewusst, so merken, wir, wie viel und wann etwas genug ist.

Slow down! Auch wenn der Rest der Welt dir weismachen will, dass du etwas verpasst, wenn du nicht die allerneueste Folge der täglichen Sitcom mitbekommst. Erlaube dir sowohl Pausen als auch Übergänge zwischen einzelnen Tätigkeiten. Und wenn es sehr eilig ist, dann atme noch ein- oder zweimal ganz bewusst ein und aus, bevor du beginnst, etwas zu tun. Dein Gehirn und dein dauerstrapaziertes Nervensystem werden es dir danken.

Finde zurück in dein individuelles Schritttempo. Erst dann, wenn du deine Lebenssituation deinem ureigenen Tempo angepasst hast, wird die Lebens- Reise angenehm sein. Ich wünsche dir die nötige Ruhe und Bewusstheit, um in deinem eigenen Tempo durchs Leben zu gehen. und nicht vergessen: In einer Zeit, in der sich alles immer schneller dreht, ist Langsamkeit ein friedlicher Akt des Widerstands.

In diesem Sinne …                                                                 

Alles Liebe …

Deine Daniela

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