
Frauen und Männer – Ein paar Worte an die Männer
Frauen und Männer – Wie schaffen wir ein neues Miteinander?
Nachdem ich schon mehrfach gebeten wurde, auch einmal etwas für die Männer bzw. an die Männer zu schreiben, und meine Podcasts ebenso von Männern wie von Frauen gehört werden, ist es nun soweit.
Ich habe lange gezögert… also, hier habt ihr´s: Dieser Blogartikel ist (in erster Linie) an unsere Männer gerichtet.
Da ich das klassische Beziehungsmodell „Hetero-Ehe“ lebe, habe ich es zuhause mit einem üblichen Modell „Mann“ zu tun. Alle anderen Männer sind selbstverständlich ebenso eingeladen, mitzulesen, zu kommentieren oder sich auf anderen Wegen zu dem, was ich hier schreibe, zu äußern.
Frauen und Männer – Weiblich und männlich
In unserer polar angelegten Welt bilde ich den einen (weiblich, Yin, Mond, empfangend, kreativ, usw.) und du den anderen (männlich, Yang, Sonne, gebend, analytisch, usw,) Pol. Dabei sollten wir nicht vergessen, dass wir Menschen allesamt ein gewisses Maß an Androgynität aufweisen. Das bedeutet, dass wir sowohl männliche als auch weibliche Anteile in uns vereinen. Wer also Frauen herabwürdigt, unterdrückt oder nicht ernst nimmt, nimmt Teile von sich selbst nicht ernst, bzw. unterdrückt und verleugnet eigene innere Anteile.
Gerade ist in der Welt viel in Bewegung. Manches ist aus den Fugen geraten. Grenzen verschwimmen, gleichzeitig werden neue gezogen. Und so ist es nicht verwunderlich, dass auch das Beziehungsgefüge Frau/Mann in Bewegung gerät. Klassische Rollenbilder verlieren ihre Konturen und das ist gut so.
Frauen und Männer – Klassische Rollenbilder
Die klassischen Rollenbilder von Frau und Mann wurden in unserer Kultur in erster Linie aus einem biblischen Kontext heraus festgeschrieben. Nach allem, was wir wissen, wurde der biblische Kanon allerdings ausschließlich von Männern ausgewählt. Durch diesen Umstand wurde ein Frauenbild geschaffen, welches vielleicht praktisch zu handhaben anmutete, jedoch weder realistisch war noch auf Dauer durchführbar und tragfähig sein würde. Dass es nicht tragfähig ist, merken wir daran, dass es sich an vielen Stellen in der Welt gerade auflöst. Das Rollenbild, welches der Frau zugeteilt wurde, hat in den vergangenen Jahrtausenden zu unfassbar großem Leid geführt. Darauf möchte ich an dieser Stelle nicht näher eingehen. In dem Artikel “Frau sein – aber wie?” findest du mehr dazu.
Nicht nur in unserer Kultur, auch in vielen anderen Religionen und Kulturen legten (und legen) Männer nicht nur für sich selbst Regeln für ein gesellschaftliches Miteinander fest, sondern bestimm(t)en auch, was Frauen dürfen und was nicht.
Lass dir alleine diesen Satz einmal auf der Zunge zergehen. Sprich ihn vielleicht mal laut aus. „Männer bestimmen, was Frauen dürfen und was nicht.“ Findest du das immer noch okay?
Wir wissen, dass es in ALLEN Kulturen nach wie vor unterdrückerische Strukturen gibt, unter denen vor allem Frauen (und Kinder) leiden. Dass diese Strukturen auch für Männer selbst bedrohlich sind, sieht man auf den ersten Blick kaum. Dazu komme ich später.
Die Hürde “Mann”…
An dieser Stelle hake ich erst einmal ein und frage dich, Mann: Mit welcher Berechtigung setzen sich bis in die heutige Zeit Männer über die Wünsche und Bedürfnisse von Frauen hinweg? Ziehst du irgendeine Befriedigung daraus, wenn eine Frau mit ihren Lebensträumen oder gesellschaftlichen Gestaltungsideen an der Hürde „Mann“ scheitert? Frage dich das einmal ernsthaft.
Ich habe im Vorfeld dieses Artikels ein paar Frauen befragt, was sie sich von Männern in diesen Zeiten wünschen. Ich habe einen Satzanfang formuliert und die Frauen gebeten, diesen Satzanfang zu einem ganzen Satz (oder mehreren) zu vervollständigen. Sie durften selbstverständlich auch ganz eigene Sätze formulieren.
Der Satzanfang lautete: „Von den Männern wünsche ich mir in diesen Zeiten…“
Wenn du, Mann, also besser verstehen möchtest, was in deiner Frau oder in den Frauen generell vorgeht, dann lies diesen Blogartikel und insbesondere das, was jetzt folgt, besonders aufmerksam. Sei dabei präsent und sorge dafür, dass du z.B. nicht unter Zeitdruck stehst oder eigentlich ganz was anderes tun möchtest. Lies es möglichst nicht „zwischen Tür und Angel“.
Ein paar Frauenstimmen
Hier jetzt die Stimmen einiger Frauen, die auf meine Anfrage geantwortet haben:
Ines
Von den Männern wünsche ich mir in diesen Zeiten… …dass sie aufhören, sich hinter „nicht alle Männer“ zu verstecken, als wäre das ein Freifahrtschein für Entwicklungsverweigerung.
Ich wünsche mir Männer, die Tiefe nicht nur auf Tinder, Bumble & Co angeben, sondern sie auch aushalten, wenn sie bei einer Frau plötzlich echt wird.
Männer, die nicht wegrennen, wenn eine Frau Gefühle zeigt, es ist unsere Art uns zu verbinden.
Ich wünsche mir Männer, die verstehen, dass es nicht „toxisch“ ist, wenn eine Frau weiß, was sie will.
Ach so – und wer sich immer noch fragt, was „gesunde Männlichkeit“ ist: Das ist übrigens nicht das mit dem Holz hacken und dem Dodge RAM (am besten mit Grill, der aussieht wie ein Panzer). Das ist das mit dem Herz aufmachen und Verantwortung übernehmen. Danke fürs Mitdenken. Und ja – du bist gemeint.
Natürlich nicht ALLE Männer. Nie ALLE. Auch nicht ALLE Frauen übrigens. Aber immerhin so viele Männer, dass von einer Gleichwürdigkeit der Geschlechter keine Rede sein kann. Warum, Mann, ziehst du dich zurück, wenn ich deutlich sage, was mir missfällt? Warum reagierst du gekränkt, wenn ich das, was du tust, nicht uneingeschränkt toll finde?
Andrea
Von den Männern wünsche ich mir in diesen Zeiten… mehr Spiritualität.
Tatiana
Von den Männern wünsche ich mir in diesen Zeiten… die Offenheit zur Spiritualität sowie verantwortungsvolle Äußerung eigener Emotionen.
Mehr Spiritualität. Mann! Denkst du vielleicht, dass du nicht so sehr spirituell bist? Das ist ein klarer Irrtum. Niemand, der auf dieser Erde zu Gast ist, ist nicht spirituell. Manche schneiden sich allerdings von ihrem spirituellen Wesen ab. Warum eigentlich? Was ist Spiritualität? Spiritualität wird auch als Geistigkeit bezeichnet. Oder als Bewusstsein. Willst du ernsthaft behaupten, dass du ohne Bewusstsein bist? Oder ist es dir komplett egal, welche Folgen dein Handeln für Frauen und auch insgesamt hat?
Ich verstehe, dass der Begriff Spiritualität arg strapaziert ist. Dass es – wie bei allem Anderen – auch unseriöse Angebote und Praktiken gibt. Dann ist es deine Aufgabe, herauszufinden, was genau dir hilft, deine Spiritualität zu leben. Nur weil es z.B. Ärzte gibt, die unseriös arbeiten, hörst du vermutlich nicht auf, bei größeren gesundheitlichen Beschwerden, einen Arzt zu konsultieren. Wann hast du also aufgehört, deine Spiritualität zu entfalten? Und warum? Vielleicht aus Angst? Hast du Angst vor den unkontrollierbaren Urgewalten des Lebens? Das ist zwar verständlich, führt dich jedoch immer nur im selben Hamsterrad herum.
Ich versichere dir: Wenn du einmal mit deiner tiefen Spiritualität im Kontakt bist, wird dich nichts anderes mehr wirklich befriedigen als dich genau darin immer mehr zu verankern. Dadurch entsteht echte Verbindung. Zuerst zu dir selbst. Im nächsten Schritt zu deinen nächsten Menschen und schließlich zur Welt. Zu allem, was lebt. Und ja! Der Weg kommt manchmal einer Achterbahnfahrt gleich.
Maria
Von den Männern wünsche ich mir in diesen Zeiten… den Mut, über ihren Ego-Schatten zu springen, sich selbst zu reflektieren, ihr Denken und ihr Handeln. Ich wünsche mir von ihnen, dass sie sich mutig ihren Gefühlen stellen, sie anschauen, sich ihrer bewusst werden, sie anerkennen und in Akzeptanz mit ihnen leben. Ich wünsche mir eigentlich nichts anderes, als dass die Männer unserer Zeit zu tieferer Selbsterkenntnis gelangen (und damit meine ich nicht eine übertrieben “männliche” Form der Selbstdarstellung), denn echte Selbsterkenntnis passiert im Innen und hat nichts mit Anerkennung im Außen zu tun. Wenn die Männer unserer Zeit die Größe und den Mut hätten, sich genau diesen inneren Prozessen zu stellen, dann bräuchten wir keinen Feminismus mehr. Dann könnten wir, Frauen und Männer (und jegliche Geschlechteridentität), gleichberechtigt nebeneinander – nein, miteinander – leben, auf Augenhöhe. Ob wir diese Utopie jemals erreichen werden?!
Achja, unser Ego. Unser Ego-Schatten. Den zu überwinden ist tatsächlich eine große Herausforderung. Habe ich meinen Ego-Schatten überwunden? Wohl immer noch nicht so ganz. So etwas dauert. Mann, auch du musst nicht alles an einem Tag schaffen. Aber mache dich auf den Weg. Werde zu deinem eigenen aufrichtigen Beobachter. Das bringt dich automatisch tiefer in die Selbsterkenntnis.
“Möchtest du weiterhin “Old male happy”?
Die Zeit des Rumeierns ist vorbei. Wache auf aus dem jahrtausendealten Dornröschenschlaf. Frage dich einmal selbst: Möchtest du weiterhin „Old male happy“ oder eine Welt der Vielfalt, des Miteinanders und der Erneuerung? Du wirst ein paar Dinge verlernen müssen. Alte, vorsintflutliche Konditionierungen, die sich in jeder Körperzelle manifestiert haben, dürfen sich endlich lösen. Das kann – zugegeben – sehr an den Nerven zerren. Woher ich das weiß? Rate mal.
Du darfst fühlen, Mann. Und Angst haben. Du darfst empathisch sein. Du darfst lieben lernen. Ich meine wirklich lieben. Nicht besitzen oder etwas ähnliches. Und du darfst (solltest) bei dir selbst mit dem Lieben anfangen. Aber Stopp! Ich meine nicht dein Ego polieren. Ich meine Sanftheit, Langsamkeit, Selbstmitgefühl. Sprich diese drei Worte einmal laut aus: Sanftheit … Langsamkeit … Selbstmitgefühl … Wie fühlst du dich, wenn du sie aus deinem eigenen Mund hörst? Auf dich selbst bezogen. Es gibt noch mehr. Zum Beispiel: Barmherzigkeit … Empathie … Okay, genug für den Moment. Wenn du gelernt hast, dich selbst anzunehmen und zu lieben, werden die Verbindung und die Liebe zu anderen Menschen und zur Welt auf eine neue Stufe gehoben. Woher ich DAS weiß? Du darfst nochmal raten.
Männer – ebenfalls Opfer männlich-dominanter Strukturen
Gäbe es genug Männer, die sich selbst wirklich lieben würden, würden die Kriegsschauplätze in der Welt aufhören zu existieren. Wirkliche Selbstliebe bringt die Lust, seine Menschengeschwister zu töten, ganz von selbst zum Verschwinden. Welche Gedanken kommen dir, wenn du das liest? Vielleicht bist du in einer Blase des Patriarchats gefangen. Dann bist du ebenfalls ein Opfer männlich-dominanter Strukturen. In der Ukraine gilt seit Kriegsbeginn ein Ausreiseverbot für Männer zwischen 18 und 60 Jahren. Es gibt nur wenige Ausnahmen und diese sind oft schwierig durchzusetzen. Ob Frauen in die Festlegung solcher Gesetze hinzugezogen wurden? Ich habe meine Zweifel.
Von den Männern wünsche ich mir in diesen Zeiten… dass sie uns Frauen bei der Durchsetzung einer bedingungslosen Gleichwürdigkeit ihre volle Unterstützung geben. Und zwar so lange bis diese Gleichwürdigkeit erreicht ist. Ich wünsche mir, dass Männer wahrhaftig hinschauen und erkennen, dass dies notwendig ist. Ich wünsche mir, dass sie ihre Artgenossen mitziehen. Ihnen und zunächst sich selbst Raum geben für ein neues Bewusstsein und infolgedessen ein neues Handeln. Ich wünsche mir, dass sie die Mütter ihrer Kinder vor deren Augen würdigen und unterstützen. Dass sie mit Frauen in einen lebendigen Austausch gehen. Traut euch, Männer. Nur so und nur MITeinander kann es irgendwann gut werden.
Die Befreiung der Frauen
Die Befreiung der Frauen ist nicht mehr aufzuhalten. Sie hat längst angefangen und geschieht so oder so. Es liegt an Euch, Männer, auf welche Art und Weise sie weitergeht, wie sie abläuft.
Nun wende ich mich nochmal direkt an dich, Mann:
Danke, dass du bis hierhin gelesen hast. Vielleicht bist du ja längst auf dem Weg in ein neues Bewusstsein. Dann gehe den Weg weiter. Werde zum Vorbild für andere Männer. Lasse es nicht mehr zu, dass Frauen in deiner Gegenwart von Männern abgewertet, bedroht oder sonstwie übergriffig behandelt werden.
Wenn du magst, dann vervollständige (gerne in den Kommentaren) den Satz:
Von den Frauen wünsche ich mir in diesen Zeiten…
Selbstverständlich sind alle Frauen und Männer eingeladen, diesen Artikel frei und nach Herzenslust (in angemessenem Ton!) zu kommentieren…
Es wäre auch schön, um das Gespräch anzuregen, wenn du diesen Artikel teilst.
Ich freue mich auf Austausch….
In diesem Sinne
Alles Liebe …
Deine Daniela
Also nochmal. Teile den Artikel, gerne vielfach. Und wenn du die Herbstzeitrosen-Post abonnieren möchtest, dann bekommst du sie kostenlos und regelmäßig in dein E-mail-Postfach.
Jeder muß einen eigenen Weg finden. Dabei soll er jeder Frau auf Augenhöhe begegnen.
Genauso sehe ich das auch. Wenn wir uns alle, Männer und Frauen und jegliche Geschlechteridentität auf Augenhöhe begegnen, stellt sich endlich eine Gleichwertigkeit ein.
Ich kenne noch zu viele Männer, die den Macho raushängen lassen, und leider auch viele Frauen, die das mit sich machen lassen. Ein gutes Beispiel dafür ist mein Nachbar. Als er vor ca. 20 Jahren bei mir gegenüber gebaut hat, habe ich versucht in Kontakt zu kommen. Er hat diesen Kontakt konsequent verweigert. Ich habe in den letzten 20 Jahren keine 5 Worte mit ihm gesprochen. Falls wirklich mal über was geredet werden muß, schickt er seine Frau. Das Haus ist so hoch gebaut, daß es uns oft das Licht raubt. Um sein Haus rum hat er einen sauberst gepflegten Garten, der jeglichen Unkrauts entbehrt. Wir bezeichnen sein Reich gern als seine Latifundien. Mehrfach konnten wir feststellen, daß er seine Frau keine eigenen Entscheidungen treffen läßt. Sie ist nur für niedrige Tätigkeiten zuständig, z.B. Grüngut auf den Wertstoffhof bringen. Seine beiden Töchter vergöttert er. Beide stehen ihrem Vater in nichts an Arroganz nach. Ich bedauere das sehr, aber er wird sich wohl nicht mehr ändern lassen. Er ist das beste Beispiel für ein noch bestehendes Patriarchat.