
Genug ist genug – Ich will jetzt keine Infos mehr!
Genug ist genug! – In meinen Kopf passt nichts mehr rein…
Das Gehirn ist voll!
Der Körper auch.
Sprich mich bitte nicht an! Es geht einfach nichts mehr rein.
Kennst du das?
Bestimmt weißt du, wie leicht man in einen digitalen Strudel gerät, den man erst dann wirklich bemerkt, wenn das Gehirn um Hilfe schreit.
Genug ist genug! – Ein Beispiel:
Hier ein Beispiel: Dein Handydisplay zeigt an, dass deinem Instagram- Account drei neue Profile folgen. Okay, nur einmal kurz nachschauen, wer diese neuen Follower sind.
Du klickst dich hin und siehst auf der Startseite einen Beitrag, der ein brisantes Thema aufgreift, mit dem du schon lange unterwegs bist. Du slidest kurz die ersten Seiten durch, willst es dann nicht mittendrin unterbrechen. Also liest du die zwölf Seiten fertig und lässt einen kurzen Kommentar und ein Herzchen da.
Jetzt aber!
Endlich klickst du auf den Infobutton deines Accounts. Drei neue Profile. Du möchtest wenigstens wissen, wer sie sind, die dir seit heute folgen. Also schaust du auf allen Profilen kurz vorbei. Ein paar Beiträge ansehen, einige Herzchen dalassen. Ein Profil hat dich besonders angesprochen. Du schaust den Content genauer durch. Zu einem Beitrag schreibst du einen Kommentar und du beschließt, diesem Account zurückzufolgen. Dann klickst du zurück auf deine Startseite.
Du scrollst nur noch kurz die ersten paar Beiträge und findest den zweiten so interessant, dass du ihn in deine Story stellst. Den nächsten schickst du einer Freundin, weil du weißt, dass er genau ihren Nerv trifft. Eine Werbung unterbricht den Fluss. Wie nervig! Beim weiteren Scrollen erscheint ein Reel nach dem anderen. Die Musik nervt jetzt auch. Du stellst das Handy auf lautlos. Deine Augen haben Mühe, den rasant wechselnden Bildern zu folgen. Da war doch etwas, das dich interessiert. Um was geht es? Die Texte, die kurz erscheinen, verschwinden so schnell, dass du sie nicht vollständig gelesen kriegst. Also nochmal von vorne. Immer noch zu schnell. Mist! Plötzlich fühlst du dich total gestresst.
Du verlässt Instagram und legst das Handy zur Seite. Dein Kopf brummt wie ein Trafo. Was ist passiert?
Was ist passiert?
Zersplitterte Mini-Infos surren durch deine Synapsen. Um was ging es nochmal? Du hast die Content-Themen der neuen Follower bereits vergessen. Und was war es nochmal, was du der Freundin geschickt hast?
Warum kann ich mir das denn nicht merken? Ist doch gerade erst passiert. Du schließt die Augen und atmest ein paarmal ruhig ein und aus.
Du schaust auf die Uhr. Nicht ernsthaft, oder? Fast eine Dreiviertelstunde ist rum. Eigentlich wolltest du vor dem Mittagessen noch einen Kuchen backen. Das schaffst du jetzt nicht mehr. Arrrgh….
Wir wollen wissen…
Was passiert mit uns?
Wir wollen wissen! Nur mal eben in die News schauen. Einmal kurz die Mails checken. Und wie soll das Wetter eigentlich heute nachmittag werden?
Nur mal eben reinschauen funktioniert allerdings häufig nicht. Überall auftauchende halbfertige Überschriften suggerieren dir, dass du eine Wissenslücke hast, die du durch Lesen genau dieses Beitrags bitteschön füllen solltest. Zu allem Überfluss verwechseln wir die zigtausend fragmentierten Info-Schnipsel, die uns auf Social Media präsentiert werden, mit Wissen.
Das alles hat Methode.
Mir passiert es beim Scrollen öfter, dass Informationen sichtbar werden, die ich gar nicht aufnehmen möchte. Ich habe nicht nach diesen Informationen gesucht. Es ist keineswegs so, dass ich auf den Social Medias lediglich Posts von denjenigen zu sehen bekomme, denen ich folge. Das Dilemma dabei ist, dass unerwünschte Information in dem Moment, wo ich merke, dass ich sie nicht möchte, dass sie mir zuviel sind oder dass sie sich für mich nicht gut anfühlen, schon „drin“ sind. Ich habe sie dann schon gesehen und zumindest in Teilen gelesen. Das multipliziert den Stress um ein Vielfaches. Genug ist einfach genug!
Ein immer umfangreicheres und realistisch anmutenderes Angebot an DeepFakes rundet den Wahnsinn ab.
Was macht das mit uns?
Genug ist genug! – Wieviel schaffst du? – Wieviel willst du?
Bei mir ist es definitiv so, dass ich pro Tag nur eine gewisse Menge an Informationen überhaupt aufnehmen kann. Diese Menge ist nicht besonders groß. Kennst du deine Schmerzgrenze? Wie viele Kurzinfos verträgst du, ohne dass dir entweder der Kopf schwirrt oder die Konzentration spürbar beeinträchtigt ist. Was tust du, wenn die Tagesdosis bereits am Frühstückstisch erreicht ist? Da ich gerne auch in Büchern lese, ist es für mich wichtig, dass ich die Bildschirmzeit relativ streng dosiere. Zum Glück gelingt mir das an den meisten Tagen recht gut.
Weniger Bildschirmkonsum bedeutet in dem Falle mehr Wohlbefinden und mehr inneren Frieden. Und natürlich mehr Ressourcen für “real life”.
Nun könntest du sagen, dass doch niemand gezwungen wird, da mitzumachen. Das ist bei den Social Medias sicher richtig. Die Informations-Überfrachtung findet aber nicht nur auf den Social Media Kanälen statt, auch bei den großen Suchmaschinen, bei E-mail-Providern und auf vielen Webseiten erscheinen im Sichtfeld viel mehr Infos als ich brauche oder möchte. Da fühle ich mich, wenn ich tatsächlich nach bestimmten Informationen suche auch schon mal wie bei einem Besuch auf einer großen Kirmes. Zu bunt, zu laut (ich habe fast immer den Ton AUS!), zu viele Eindrücke in zu kurzer Zeit. Und manchmal finde ich am Ende nicht einmal das, wonach ich ursprünglich gesucht habe.
Ich mache das nur noch schnell fertig
Schwierig ist für mich auch, wenn ich „noch schnell“ etwas fertig bekommen möchte. Mein Körper sagt, dass er voll ist und bittet unmissverständlich um eine Pause. Der Verstand hält dagegen und flüstert mir ins Ohr, dass ich doch nur eben dieses Kapitel fertigschreiben sollte. Ist doch noch Zeit.
Ich frage mich: Ist das nur bei mir so, dass mich das auch mal schnell völlig überfordert? Mein Mann Thomas schafft da deutlich mehr. Wie ist das bei dir? Wie medienaffin bist du? Fühlst du dich schnell überfordert? Oder bekommst du kaum genug davon? Schreib es gerne in die Kommentare.
Ich möchte mitspielen
Eindeutig spüre ich in mir eine Ambivalenz zu diesen Dingen: Mir ist klar, dass ich mitspielen möchte. Entscheide ich mich allerdings dafür, dies zu tun, bleiben mir Fake-News, Clickbaiting und extrem aggressive Werbung nicht erspart.
Was also tun, wenn ich spüre, dass es diesmal zu viel war? Und was kann ich präventiv tun?
- Wenn ich die Wahl habe, zum Beispiel bei längeren Texten, drucke ich sie mir aus. Das ist deutlich schonender für die Augen als alles am Bildschirm zu lesen. Ich versuche dabei ressourcenschonend vorzugehen, indem ich mehrere Seiten auf ein Blatt drucke. Außerdem bevorzuge ich immer noch das klassische Buch dem E-book-Reader. Journale und Magazine, sofern sie mich interessieren, lese ich auch in Papierform.
- Habe ich trotzdem einmal zu lange gescrollt und fühlt sich mein Kopf schwirrend oder neblig an, hilft es mir oft, eine Zeitlang barfuß zu laufen. Im Sommer IMMER draußen im Garten. Damit erdest du dich wieder. Hierbei bewusst in die Füße zu spüren, zieht den Fokus vom Kopf weg. 10 Minuten machen schon einen Unterschied.
- Etwas „echtes“ tun hilft auch enorm. Ein Essen kochen, Fahrrad fahren, im Garten buddeln, ein Bild malen oder, oder, oder… im Fall einer medialen Überforderung mache ich das übrigens am liebsten alleine.
- Einmal den Körper ausschütteln. Fange mit einem Arm an, dann den anderen. Das eine Bein, danach das zweite. Einmal den ganzen Körper duchrschütteln und dann spüre den Reset im Körper, der damit oft einhergeht. Fange vielleicht noch einmal von vorne an.
- Das Handy eine Weile aus dem Zugriff nehmen. Sämtliche Signaltöne auf lautlos stellen. Den Computer schon mittags runterfahren und den Rest des Tages medienfrei bleiben sind auch hilfreiche Beschlüsse, denen man dann nur noch möglichst konsequent folgen sollte.
Vor kurzem bin ich bei Instagram auf den “Offline-Club” gestoßen. Sie geben viele Anregungen für weniger Medienkonsum und organisieren Offline-Events. Wenn du der englischen Sprache einigermaßen mächtig bist, empfehle ich dir einen Blick auf deren Webseite.
So ein bisschen ist es wie Seiltanz. Immer wieder gilt es, die Balance zu finden, zu halten. Eine ausgewogene Balance gelingt natürlich umso besser, je bewusster wir zum Handy greifen. Das gelingt nicht jeden Tag gleich. Probiere es einfach morgen wieder.
In diesem Sinne
Alles Liebe …
Deine Daniela
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Nun ich bin auch viel am Handy, weil ich gerne auf YouTube nach Musik suche. So bin ich auch bei Herbstakkord gelandet. Ich bin aber in keinem Netzwerk. So habe ich schon viele nette Kontakte geknüpft, mit denen ich mich regelmäßig austausche. Was ich noch sagen wollte, ich würde gerne Kontakt zu deinem Partner bei Herbstakkord aufnehmen. Kannst du mir da helfen. Du darfst auch gerne meine E-Mail-Adresse weitergeben. Ich habe nichts zu verbergen.