Ins Vertrauen kommen – Auf den Spuren einer Superkraft

Auf dem Bild sind gefaltete Hände zu sehen. Außerdem die Sätze 
Ins Vertrauen kommen 
und
Auf den Spuren einer Superkraft.


Ins Vertrauen kommen – Auf den Spuren einer Superkraft

Ins Vertrauen kommen – Nutze die Superkraft in dir.

Ist es ein Gefühl?

Eine Regung?

Oder eher ein Zustand?


Das Vertrauen.

Ich erlebe es als eine der größten Kräfte, die wir in uns tragen. Eine wahrhaftige Superkraft. Eine Kraft, auf die wir jederzeit zurückgreifen können, die jedoch den meisten Menschen im Laufe ihres Lebens in großen Teilen abhandenkommt.

Werden wir geboren, so bleibt uns nichts anderes übrig als zu vertrauen. Aus absoluter Hilflosigkeit heraus vertrauen wir darauf, dass wir, wenn es gut läuft, geliebt, gehalten und versorgt werden. Unser Vertrauen ins Leben selbst, in die Welt, in die wir hineingeboren werden, ist niemals größer als zum Zeitpunkt unserer Geburt.

Doch was passiert dann? Wenn Grundbedürfnisse, zu denen auch viel Körperkontakt, freundliche Ansprache und eine regelmäßige Grundversorgung gehören, nicht oder nur ungenügend erfüllt werden, überleben wir vielleicht. Das Vertrauen verkümmert jedoch, weil es nicht genährt wird. Später wird uns die innewohnende Superkraft vielleicht ausgeredet. Von Menschen, die mit ihr schon lange nicht mehr im Kontakt sind. Besser nicht drauf vertrauen, auf das Vertrauen. Auf diese Weise geht die Kraft des Vertrauens uns sukzessive – oft schleichend – verloren und wird somit als innewohnende Vitalkraft nicht mehr erkannt und somit nicht mehr genutzt. Spätestens ab diesem Zeitpunkt fühlt sich das Leben schwer an. Bei manchen geschieht das schon sehr früh.

Manchmal kommen wir mit der Superkraft „Vertrauen“ wieder in Berührung, wenn es uns nicht gut geht. Wenn Logik und Kontrolle versagen oder uns zumindest nicht weiterhelfen. Wenn eine Sorge oder ein besonderer Umstand uns innerlich dermaßen zerreißt, dass alles von uns abfällt und Vertrauen der letzte Ausweg bleibt. Möglicherweise in einer Schocksituation. Dann fällt uns Gott ein, vielleicht beten wir, vielleicht singen wir ein Lied oder wir weinen. Und hoffen… und vertrauen… dem Arzt, der die lebensrettende Operation durchführt, …der Lehrerin, die sich bei den Kollegen für das Kind stark macht, damit es den Abschluss doch noch bekommt, …dem Leben selbst, ob es wohl aus dem Chaos, welches ich inszeniert habe, ein Nest für mich bauen möge?

Jesus bezog seine größte Kraft aus dem Vertrauen auf Gott. Die Durchführung der vielen vermeintlichen „Wunder“ gründeten auf seinem bis in den Tod unerschütterlichen Vertrauen in die Gewissheit, dass Gott eins mit ihm und durch ihn wirksam ist. Jesus wusste, dass er als Mensch ohne Gott nichts ist, mit Gott jedoch alles erreichen kann. Sowohl Jesus als auch später seine Apostel bezogen ihre Kraft aus dem festen Vertrauen auf Gott.

Manchmal frage ich mich, wie tief es mir eigentlich möglich ist, zu vertrauen. Wie stark ist die Kraft, die sich sämtlicher Logik entzieht und aus sich selbst heraus Wasser zu Wein machen kann? Wie viel davon lasse ich zu? Da ist noch viel Luft nach oben.

Fragst du dich sowas manchmal auch?

Es tut so gut, den Dingen einfach mal ihren Lauf zu lassen. Nicht dran drehen müssen. Nicht manipulieren. Mehr beobachten als Einfluss nehmen. Auch das ist eine Form des Vertrauens ins Leben. Natürlich möchte ich hier nicht zu absoluter Passivität aufrufen. Eher, dass wir öfter mal prüfen, ob es wirklich nötig ist, jetzt und hier den Verlauf von etwas verändern zu müssen. Der Sohn möchte lieber in eine Ausbildung gehen als ins Studium. Knete ich jetzt mit meinen (Totschlag-) Argumenten so lange an ihm herum, bis er seinen gewünschten Weg verlässt und das tut, was ich mir für ihn ausgedacht habe? Oder lasse ich ihn gewähren und lehne mich vertrauensvoll ins Leben, wissend, dass das Leben nicht nur für mich, sondern auch für das Kind den bestmöglichen Support parat stellt?

Es wird schon richtig sein. Punkt!

Welche Gegenspieler hat das Vertrauen? Wir könnten es uns einfach machen und pauschal sagen: „Ist doch klar: Das Misstrauen!“ Stimmt ja auch. Nur, so einfach ist es nicht.

Unsere allgegenwärtige Angst ist ein einer der größten Vertrauens-Verhinderer. Versagensängste, Angst vor Krankheiten oder Jobverlust, vor Armut oder Krieg machen es uns schwer, dem Vertrauen wirklich eine Chance zu geben. Gerade dann jedoch, wenn die Lage eng wird, können wir Vertrauen üben. Vielleicht gibt es einen Menschen, dem wir unsere Sorgen und Nöte an-vertrauen können, sodass wir nicht alleine daran tragen müssen.

Was ändert sich, wenn ich mich entschließe, dem Problem, welches mir gerade das Leben schwer macht, einfach mal mit dem Vertrauen zu begegnen, dass die Lösung bereits da ist. Oft weitet sich der Blick, wenn ich vertraue, was es beträchtlich leichter macht, die Lösung tatsächlich auch zu erkennen.

Ein starker Gegenspieler des Vertrauens ist ein übermäßiger Kontrollwunsch. Vertrauen und Kontrolle schließen sich quasi aus. In einem bestimmten Rahmen wünscht sich jede/r ein gewisses Maß an Kontrolle. Allerdings liegen einem überbordenden Kontrollbedürfnis üblicherweise ebenfalls tiefe Ängste unterschiedlichster Ursache zugrunde. Frage dich einmal selbst, wie du diesbezüglich unterwegs bist?

Eine Portion Vertrauen ist der Schlüssel, um Ängste und Sorgen überwinden zu können.

Dazu gehört definitiv auch ein gesundes Maß an Vertrauen in mich selbst, in die eigenen Fähigkeiten. Haltungen wie „Ich werde die Lösung (zum bestehenden Problem) zur richtigen Zeit erkennen.“ oder „Ich mache es so gut ich kann, mehr muss es nicht sein.“, beruhigen das eigene Nervensystem oft umgehend, sofern wir sie ernst meinen.

Wir können immer nur in dem Umfang vertrauen, in dem wir uns sicher fühlen. Und ob wir uns sicher fühlen, hängt weniger von den tatsächlichen Umgebungsbedingungen als von unserem Nervensystem ab. Darum macht es viel Sinn, sich gut darum zu kümmern. Im Blogartikel „Das Kuschelhormon“ erfährst du, was du zur Pflege deines Nervensystems selbst tun kannst.

Um wieder Vertrauen zu lernen, bedarf es bei uns allen der Fähigkeit, alte Muster zu verlernen.

In Situationen, in denen die Umgebungsbedingungen sicher sind, unser Körper sich allerdings dagegen wehrt, Anspannung loszulassen, hilft es, einmal so zu tun, als wären wir nie verletzt worden. Das erscheint zunächst unmöglich. Schließlich wissen wir um unsere Vergangenheit. Es schafft jedoch eine völlig neue Perspektive. Und ich selbst weiß, dass man darin Übung bekommen kann.
Manchmal macht es Sinn, Fenster in die dicken Mauern einzulassen, die wir zum Schutz um uns selbst errichtet haben. Mir ist klar, dass wir dabei etwas riskieren. Wir riskieren, wieder verletzt zu werden. Jedoch haben wir uns in der Zwischenzeit entwickelt. Und wir müssen die Schutzmauer nicht an einem Tag abbauen. Erst einmal vorsichtig schauen, zu wem die freundliche Stimme gehört, die durch die Mauerritzen bis zu mir dringt.

Unser Bauchgefühl kann uns Wegweiser sein, zu erkennen, an welcher Stelle wir vielleicht bereit sind, einen Vertrauens-Vorschuss zu gewähren.

Selbstverständlich sollten wir uns auch selbst von Zeit zu Zeit fragen, ob sich andere Menschen in unserer Anwesenheit sicher fühlen? Kann die Freundin mir etwas an-vertrauen? Oder das Kind? Wohin wendet es sich, wenn eine Sorge sein Gemüt quält? Bin ich die Person für andere, der ich vertrauen würde?

Wie möchtest du fortan leben? Möchtest du weiterhin versuchen, die Geschehnisse um dich herum zu kontrollieren oder möchtest du Kontrolle mehr und mehr zugunsten von Vertrauen abgeben?

Wer einmal den Genuss gespürt hat, dem Leben voll und ganz zu vertrauen, möchte immer wieder in diesen Zustand zurückfinden. Das weiß ich aus eigener Erfahrung. Es ist ein so warmer und friedlicher Zustand.
Selbst dann – und gerade dann – wenn ich nicht weiß, was da gerade Großes auf mich zukommt, finde ich leichter in meine Handlungsfähigkeit zurück, wenn ich darauf vertraue, dass ich gehalten bin. Dass ich nicht wissen muss, wie es ausgeht und dass es reicht, heute einen kleinen Schritt zu gehen. Der nächste kommt dann morgen, übermorgen und so weiter…

Kommentiere gerne, welche Erfahrungen du mit der Superkraft „Vertrauen“ gemacht hast.

…und höre auch in die Podcastfolge #40 rein, in der ich mit der ehemaligen Flugbegleiterin und heutigen Yogalehrenden Consuela Jacobi- Yniguez über die Phänomene des Vertrauens spreche.

In diesem Sinne …

Alles Liebe …

Deine Daniela

Wenn dir der Artikel gefallen hat, freue ich mich, wenn du ihn teilst. Abonniere auch gerne die Herbstzeitrosen-Post. So bleibst du immer auf dem Laufenden…

Schreibe einen Kommentar