
Ständige Reizüberflutung – Wenn unsere Filter aufgeben
Ständige Reizüberflutung – Wenn großer Stress unsere eingebauten Filter lahmlegt.
Wie geht es dir gerade?
Fühle mal nach.
Liest du diesen Text am Rechner, am Handy oder auf einem Tablet? Liest du ihn vielleicht in ausgedruckter Form? Haben deine Augen noch genug Kondition, um für ein paar Minuten (dieser Text hat 7 Minuten Lesezeit) auf einen Bildschirm zu schauen? Das Gehirn auch? Sitzt du oder stehst du? Was geschieht gerade um dich herum? Ist es still oder gibt es Geräusche, die deine Konzentration stören?
Mal wieder Fragen über Fragen.
Ständige Reizüberflutung – Achte auf die Dosierung
Bei mir ist es so, dass ich meine digitale Zeit sorgfältig dosieren muss. Maximal drei Stunden über den Tag verteilt sind gut möglich. Danach wird es mit jeder weiteren Minute mühsamer.
Auch die sozialen Kontakte muss ich wohl dosieren. Habe ich am Tag einige Zeit im Stadtlärm oder unter vielen Menschen verbracht oder hatte ich vielleicht einen Arzttermin, reduziert sich meine Kondition spürbar. Möglicherweise knatterte draußen stundenlang eine Motorsäge. Auch etwas, das mein medienbezogenes und soziales Durchhaltevermögen empfindlich schrumpfen lässt.
Wie ist das bei dir?
Unser dauerstrapaziertes Nervensystem steht eigentlich permanent kurz vor dem Overload. Manchmal auch mittendrin. Das Nervensystem vieler Menschen schreit nach Hilfe. Es schreit nach Pause! Das ist kein Wunder, hangeln wir uns doch die meiste Zeit gerade so an der Grenze unserer Aufnahmekapazität entlang.
Kennst du die „braunsche Röhre“?
Weißt du, was die „braunsche Röhre“ ist? Natürlich weißt du das. Wir sind doch im ähnlichen Alter. Die „braunsche Röhre“ war das zentrale Element des alten Röhrenfernsehers. Die Bildröhre! Somit legte der Physiker Ferdinand Braun Ende des 19. Jahrhunderts mit der Erfindung der Kathodenstrahlröhre die Grundlage dafür, dass wir heute ohne Bildschirme und Monitore nicht mehr leben können. Zumindest glauben wir das.
Unsere digitale Medienverfügbarkeit hat sich explosionsartig ausgeweitet und mit ihr ist unser Stresslevel unaufhörlich gestiegen.
Wir sind längst chronisch reizüberflutet. Als stärkste Auslöser für eine Reizüberflutung gelten akustische und visuelle Sinnesreize. Und damit haben wir es täglich in vielfältiger Form zu tun. Unser Nervensystem reagiert fortlaufend auf diese Reize. Dieser Umstand sprengt die Grenzen unserer Belastbarkeit. Die gute alte Mittagsruhe beispielsweise, in der Lärm untersagt war, gilt schon lange nicht mehr. Motorsägen, elektrische Heckenscheren, Laubbläser und Abrissbagger dröhnen und wummern den ganzen Tag durch, da sie sonst nicht wirtschaftlich arbeiten würden. Und das ist auch in kleineren Dörfern so. Jeder Handtuchgarteninhaber hat einen ausgedehnten Park an motor- oder elektrisch betriebenen Gartenhelfern.
Damit haben wir uns selbst zum Opfer unserer Effizienz gemacht. Wir sind am Limit! Unser menschlicher Körper ist nicht für diese Art der Dauerbeschallung gemacht. Augen und Ohren brauchen regelmäßige Pausen, in denen sie regenerieren können.
Wir brauchen regelmäßige Pausen, in denen wir regenerieren können.
Ständige Reizüberflutung – Cortisol sabotiert unsere Filterfunktionen
Mithilfe von Neurotransmittern arbeiten körpereigene Filterfunktionen, die eigentlich das Gehirn vor dem Overload schützen sollen. Aber was ist, wenn diese eingebauten Filter ihre Arbeit nicht mehr machen können? Dann bleibt der Stresspegel dauerhaft auf hohem Niveau. Ein permanent erhöhter Cortisolspiegel lässt die ursprünglichen Funktionsabläufe dramatisch aus der Balance geraten. Und diese permanent erhöhten Cortisolwerte werden inzwischen auch schon bei den Jüngsten nachgewiesen. Der extrem frühe und oft stundenlange Aufenthalt in Tageseinrichtungen bereitet die immer früher geschehenden Burnouts von Morgen vor. Natürlich gesellen sich noch andere Faktoren hinzu. Stressbedingte Störungen und Erschöpfungssymptome werden allerdings tatsächlich in immer jüngerem Alter beobachtet. (Quelle)
Wir können nicht mehr abschalten. Manche Menschen können selbst dann nicht abschalten, wenn der Lärm des Tages verebbt ist und ein ruhiger und erholsamer Nachtschlaf die körpereigenen Ressourcen wieder auffüllen könnte. Schlaf lässt sich jedoch bekanntlich nicht erzwingen. Und wenn der Kopf munter weiter rotiert, entsteht somit ein klassischer Teufelskreis.
Ständige Reizüberflutung – Zu laut, zu grell, zu schrill, zu viel!
Menschen, die besonders sensibel auf Sinnesreize jeglicher Art reagieren, haben es überaus schwer, einen als „normal“ bezeichneten Alltag zu bewältigen. Fast überall ist es heutzutage zu laut, zu grell, zu schrill, zu viel. Scheinbar hat Jede/r Angst in dem ganzen Trubel übersehen zu werden. Und so hängen wir noch ein buntes Blinklicht zusätzlich ins Weihnachtsfenster und posten unseren mittelprächtigen KI-generierten Filmbeitrag stündlich auf irgendeiner Plattform, damit dieser überhaupt eine Chance hat, von irgendwem beachtet zu werden. Für so etwas gibt es längst entsprechende Workflows. Das macht niemand mehr händisch.
Ein Besuch im Discounter stellt für sehr fein strukturierte Menschen bereits eine große Herausforderung dar. Grelle Lichter, unruhige Regalreihen und dauerhafte Musikbeschallung machen aus einem einfachen Einkauf ein (ungewolltes) Event. Das kann Triggerwirkung haben und so für manche zum Horrortrip werden. Glücklicherweise gibt es erste Discounter, die Extra-Einkaufszeiten für Hochsensible und andere neurodivergente Menschen anbieten. In diesen Zeiten wird das Licht gedimmt und die Musik abgeschaltet, es werden keine Regale eingeräumt und es dürfen nur eine maximale Anzahl an Menschen zur gleichen Zeit im Laden sein.
Aber es gibt noch viele weitere Herausforderungen. Eine einfache Fahrradbeleuchtung flackert permanent wild, damit der Radfahrer im Straßenverkehr überhaupt zur Kenntnis genommen wird. Kinder laufen morgens im Dunkeln wie dekorierte Christbäume zur Schule, um sich von Leuchtreklamen oder aggressiver Auto- und anderer Fahrzeugbeleuchtung abzuheben. Falls das überhaupt noch geht.
Überall beginnt es zu leuchten, zu flackern und zu blinken, sobald sich das abendliche Dunkel – eigentlich schützend – um uns legen und uns auf natürliche Weise zur Ruhe bringen will.
Wo sind die Geräusche, die uns beruhigen könnten?
Im permanenten Lärm des Alltags gehen sogar Geräusche, die ursprünglich einen beruhigenden Effekt auf unser Nervensystem haben sollten, oftmals verloren.
Vogelgezwitscher, der Wind in den Bäumen, das Plätschern von Wasser oder ähnliche Naturgeräusche werden gnadenlos übertönt von Motorengeräuschen, die allgegenwärtig sind. Wer das haben möchte, kann so etwas vermutlich auf Youtube abonnieren.
Als ich einmal mit einer Frau sprach, die aus Canada nach Deutschland eingewandert war, sagte sie, dass sie am meisten die Stille in der Natur vermisste. Sie empfand es so, dass es in unserem Land nirgendwo eine Stelle gibt, wo nicht von irgendwo her ein Motorengeräusch zu hören war. Überprüfe selbst, ob da was dran ist.
Wir befinden uns mitten in einem Strudel unterschiedlichster Stressoren und jede/r sucht für sich verzweifelt den Eintrittspunkt in eine Kehrtwende. Wo können wir anfangen, uns selbst vor der Überlastung durch eine ständige Reizüberflutung zu schützen?
Wie können wir Einfluss nehmen?
Dazu sollten wir uns zunächst die Frage stellen: Auf welche Faktoren haben wir direkten Einfluss?
Einleitend möchte ich hier für eine wohltuende Ernährung sprechen. Dazu gehört nicht nur die schonende Verarbeitung möglichst naturnaher Lebensmittel, sondern auch eine ruhige Atmosphäre während der Mahlzeiten. Mittlerweile ist gut erforscht, dass ein häufiger Verzehr hochverarbeiteter Lebensmittel eine ganze Reihe von Störungen im Körper begünstigt. Lies hierzu auch gerne den Blogartikel „Ich koche heute“.
Mithilfe einer durchdachten, wohlschmeckenden, pflanzenbasierten und überwiegend selbstgekochten Ernährung bieten wir unserem Körper die Rohstoffe an, die er braucht, um seine Funktionen erfüllen zu können.
Außerdem macht es Sinn, nicht nur in der Ernährung, sondern bei all unseren Aktivitäten die Tages– und Jahresrhythmen zu berücksichtigen. Es ist völlig verrückt, von uns selbst und von anderen (und ebenso von unseren Kindern!) zu jeder Jahreszeit dasselbe Arbeitspensum zu erwarten. Im Winter, bei deutlich weniger Tageslicht oder bei hochsommerlichen Temperaturen müssen wir individuell hinschauen, wie viel Leistung wir erbringen können, ohne dass unser Reservelämpchen dauerhaft aufleuchtet. Frauen, die gerade menstruieren, brauchen zumindest eine kurze Auszeit. Sie brauchen Zeit für sich selbst. Für ihren Körper. Flexiblere Arbeitskonzepte, die die natürlichen Schwankungen der Menschen berücksichtigen, sind dringend nötig. Wir alle, Männer und Frauen, sind nicht zu jeder Zeit gleich leistungs- und aufnahmestark.
Zwei echte Königsdisziplinen: Yoga und Mediation.
Wie kraftvoll Eine regelmäßige Yoga– und Meditationspraxis sein kann erkennst du am Besten, wenn du es selbst ausprobierst. Längst ist wissenschaftlich erwiesen, dass beides sich wohltuend auf Körper, Seele und Geist auswirkt.
Den Blogartikel „Das Kuschelhormon“ möchte ich dir auch ans Herz legen. Lies ihn, weil dort beschrieben steht, wie du selbst deinen Oxytocinspiegel erhöhen kannst. Oxytocin ist ein Hormon, welches als wirksamer Gegenspieler der Stresshormone Cortisol und Adrenalin gilt.
Außerdem beschreibe ich dort, was du tun kannst, um den ventralen Vagusnerv zu stimulieren, der maßgeblich unser Wohlbefinden beeinflusst.
Eine zuverlässige Heilungsquelle: Die Natur
Nicht zuletzt ist die Natur eine unumstritten zuverlässige und nachhaltige Heilungsquelle. Hier setzte ich ganz auf das Phänomen der Körperweisheit. In der Natur erkennt unser Körper seine Zugehörigkeit. Hier ist er auf eine besondere Weise Zuhause. Der Körper weiß, dass er mit der fünfhundertjährigen Eiche in einer tieferen Verbindung lebt als mit unserem Smartphone. Sich in der Natur aufzuhalten beruhigt. Und es ist unendlich heilsam.
Gehe öfter mal in den Wald, an den See, zum Fluss, auf den Berg oder ans Meer. Lasse die Natur eine Weile auf dich wirken und du wirst feststellen, dass das alles echt, dass es nicht digital, und dass dies alles kein Fake ist.
Und schreib gerne in die Kommentare, wie du dich selbst immer wieder zurückholst, wenn die Reizüberflutung dich einmal so richtig vom Pferd geworfen hat…
In diesem Sinne …
Alles Liebe …
Deine Daniela
Teile diesen Artikel gerne mit anderen. Und hier kannst du übrigens die Herbstzeitrosen-Post bestellen.